Nähere Erklärungen zu Physiotherapie und den einzelnen Konzepten
Was ist Physiotherapie? Zielgruppe Das Therapieangebot richtet sich im allgemeinen vor allem an Patientinnen und Patienten mit:
Schwerpunkte
Methoden und Konzepte:
Klinisches Patientenmanagement
Seit 2004 besuche ich die Fortbildungsreihe KPM (Klinisches Patientenmanagement), die von einem internationalen Dozententeam aus Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Manualtherapeutinnen und -therapeuten sowie Osteopathinnen und Osteopathen angeboten wird. Es gibt eine Vielzahl von Behandlungsansätzen bei funktionellen Einschränkungen und Schmerzen am Bewegungsapparat, was verdeutlicht, dass es nicht einen optimalen Problemlösungsansatz gibt. Ziel der KPM ist die optimale Nutzung der Stärken verschiedener therapeutischer Ansätze wie z.B.:
Entscheidend für die Auswahl des entsprechenden Ansatzes sind daher:
Auch können Faktoren wie Ernährung oder psychischer Stress Grund für das Stagnieren im Therapieverlauf sein. Sollte bei der Befundung ein ursächliches Problem außerhalb meines Behandlungsgebietes deutlich werden, informiere ich Sie gerne über mögliche weiterführende Maßnahmen (z.B. Ernährungsberatung bei einem Spezialisten). Die Problemidentifikation in der KPM erlaubt so eine umfassende Regeneration des gesamten Organismus im Sinne einer dauerhaften Besserung der Symptomatik. Craniosacrale Therapie Die Cranio-Sacrale Therapie (CST) ist eine sanfte manuelle Technik zur Entspannung des Cranio-Sacralen Systems und der es beeinflussenden Strukturen. Mit ihrer Hilfe lassen sich erhöhte Spannungszustände des Bindegewebes und ein Ungleichgewicht im Cranio-Sacralen System aufspüren und behandeln. Sie beruht unter anderem auf der Annahme, dass die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) sich auf die äußeren Gewebe und Knochen übertragen und ertasten lassen.
Das Cranio-Sacrale System (CSS) ist die Umgebung worin das zentrale Nervensystem sich befindet und funktioniert. Es besteht aus den Hirn- und Rückenmarkshäuten mit ihren knöchernen und Weichteilverbindungen, sowie aus allen zur Herstellung, Zirkulation und Wiederaufnahme der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit dienenden Strukturen. Die Einzelknochen des Schädels werden für gegeneinander beweglich angenommen, die rhythmischen Pulsationen der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) können sich so auch auf die äußeren Gewebe übertragen. Im erweiterten Sinn zählt daher auch das gesamte Bindegewebe dazu, das formgebende, ernährende, trennende und stützende Funktionen erfüllt. Das Cranio-Sacrale System steht somit in enger Verbindung mit allen Systemen des Körpers, die es beeinflusst und von denen es wiederum selbst beeinflusst wird: z.B. dem Nervensystem, dem muskuloskelettalen System, dem Gefäßsystem, dem lymphatischen System, dem Respirationssystem, dem Immunsystem und dem endokrinen System. Es schafft vom Moment der embryonalen Entwicklung bis zum Tode das "innere Milieu" für die Entwicklung und Reifung des Zentralnervensystems. Ein Spannungsungleichgewicht im Cranio-Sacralen System kann daher zu sensorischen, motorischen und vegetativen Symptomen und Entwicklungsauffälligkeiten führen. Umgekehrt können Haltungsanomalien, koordinative Einschränkungen, Lern- und Konzentrationsstörungen, chronische und akut entzündliche Prozesse sowie Traumata physischer oder psychischer Natur zu Spannungsänderungen im CSS führen. Die Cranio-Sacrale Therapie richtet den Fokus dabei auf
In der Cranio-Sacralen Therapie nimmt der Therapeut mittels sanfter Berührung Kontakt mit Bindegewebsspannungen im Körper sowie mit energetischen Blockaden der Patientin bzw. des Patienten auf. Subtile Druck- und Zugtechniken mit max. 5 g am Bindegewebe bzw. an den knöchernen Strukturen ermöglichen eine Entspannung auf energetischer, physischer und emotionaler Ebene. Darüber hinaus unterstützt der Therapeut die Patientin bzw. den Patienten, mit seinen inneren Vorgängen bewusster in Kontakt zu treten und begleitet so die Selbstregulation. Über Selbstregulation und Selbstorganisation findet der Heilungsprozess des Organismus statt. Da in der Cranio-Sacralen Therapie und Somato-Emotionalen Entspannung das gesamte Cranio-Sacrale System und nicht einzelne Symptome behandelt werden, eignen sie sich hervorragend zur Begleitung akuter und chronischer Krankheitszustände und nehmen einen wichtigen Stellenwert in der Gesundheitsvorsorge ein. Die Behandlung ist systemorientiert statt symptomorientiert. Das heißt, dass der Behandler die für die Therapie notwendigen Behandlungsparameter aus den Gegebenheiten innerhalb des Cranio-Sacralen Systems bezieht, und über die systematische Behandlung dieses Systems einen indirekten Einfluss auf Symptome des Menschen nimmt. Es wird somit nicht eine Krankheit, sondern ein System behandelt. Das Ziel in der Anwendung der Methode ist die Wiederherstellung der individuellen optimalen Harmonie innerhalb der Person und insbesondere innerhalb des Cranio-Sacralen Systems im Sinne eines Spannungsausgleiches. Möglichkeiten und Grenzen der Therapie: Alle Symptome die auf eine mögliche Abnahme der Leistungsfähigkeit des Nerven- und Hormonsystems zurückgeführt werden können sind Indikationen für die Überprüfung des Zustandes des Cranio-Sacralen Systems, und dessen Behandlung mit Hilfe der Cranio-Sacralen Therapie. Beispiele hierfür sind: Migräne und Kopfschmerzen, chronische Nacken- und Rückenschmerzen, stress- und spannungsbedingte Störungen, koordinative Störungen, Zustand nach einem Trauma von Gehirn und Rückenmark, Dysfunktionen des zentralen Nervensystems oder des Hormonsystems, Konzentrations-, Lern- und Sprach-, Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, orthopädische Probleme des Rückens, sowie chronische Übermüdung oder Erschöpfung und funktionelle vegetative Dysfunktionen. Abhängig von der Charakteristik und der Ursache des Problems kann ein Zeitrahmen prognostiziert werden, in dem eine Verbesserung der Symptomatik zu erwarten ist. Findet innerhalb dieser Behandlungszeit keine Verbesserung der Methode eigenen Kriterien bzw. der Beschwerden statt, ist eine Fortsetzung der Cranio-Sacralen Therapie nicht angezeigt. Text: Upledger Institut Österreich (abgeändert)
Neurophysiologische Behandlung nach Bobath Das Bobath-Konzept ist ein Pflege- und Therapiekonzept für Patientinnen und Patienten mit Lähmungen durch Krankheiten des zentralen Nervensystems (ZNS). Es eignet sich besonders zur Rehabilitation von Menschen mit erworbenen Hirnschäden, wie Schlaganfall (Apoplex), Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, hypoxische Hirnschädigung, Hirntumore und anderen Krankheiten des ZNS. Alle diese Erkrankungen gehen mit zentralen Lähmungen (Paresen, Plegien), Störungen des Muskeltonus (Spastik) und Störungen der Körperwahrnehmung einher. Die umfangreichste Zielgruppe sind Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall. Die Ziele des Bobath-Konzeptes lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
In der Physiotherapie liegt der Focus v.A. auf Verbesserung des Haltungshintergrundes sowie der Bewegungsqualität, wodurch mehr Bewegungsrepertoire, mehr Sicherheit und das Wiedererlernen von Funktionen ermöglicht wird. Das Bobath-Konzept basiert auf neurophysiologischer Grundlage. Mit seinen Ansätzen nutzt es die lebenslange Fähigkeit des Nervensystems, sich Reizen durch Strukturänderung anzupassen (Plastizität des Nervensystems, Neuroplastizität). Der betroffene Mensch wird mit seiner ganzen Persönlichkeit in der Therapie miteinbezogen. Dies bedingt eine enge Zusammenarbeit sowohl der beteiligten Fachdisziplinen untereinander als auch mit den Angehörigen und den Betroffenen selbst. Das Ehepaar Dr. h. c. Berta Bobath (Physiotherapeutin, *1907 Berlin - †1991 London) und Dr. Karel Bobath (Neurologe und Psychiater, *1906 Berlin - †1991 London) begann Mitte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts mit der Entwicklung seines Behandlungskonzeptes, das in den folgenden Jahrzehnten ständig erweitert und differenziert wurde. Empirische Erfahrungen, resultierend aus der Behandlung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten, wiesen auf die Beeinflussbarkeit von pathologisch veränderten Haltungs- und Bewegungsmustern hin, so entstand ein interdisziplinäres Konzept, zu dem auch weitere Persönlichkeiten aus den Bereichen Medizin, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie beitrugen. Das Bobath-Konzept wird durch die in der therapeutischen Arbeit gewonnenen Erfahrungen, neue Forschungsergebnisse aus den Neurowissenschaften und Anregungen aus benachbarten Wissenschaften weiterentwickelt. Dies ermöglicht eine Orientierung am jeweils aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse z. B. Reifung des Zentralnervensystems, bezüglich der Bewegungskoordination und des motorischen Lernens. Die prozesshafte Gesamtentwicklung des Menschen ist ständigen Veränderungen unterworfen. Der Behandlungsansatz nimmt Bezug auf die menschliche Entwicklung, die gekennzeichnet ist durch das Zusammenwirken sensomotorischer, emotionaler und geistiger Komponenten in der Auseinandersetzung im sozialen und gegenständlichen Umfeld. In der Therapie werden patientenbezogene Prinzipien angewendet. Diese beziehen sich auf die spezifische Vorgehensweise in der Diagnosefindung, der Befunderhebung und daraus resultierenden therapeutischen Maßnahmen. Aufgrund der Diagnose wird ein individueller Befund erstellt. Im Vordergrund der Befunderhebung steht die Beobachtung der Eigenaktivität und Fähigkeit des Betroffenen im alltäglichen Leben. Diese werden im fortlaufenden Prozeß durch die enge Verbindung von Befund und Therapie immer wieder neu definiert und so wird eine regelmäßige Erfolgskontrolle garantiert. Ziel der Therapie ist die Differenzierung funktioneller Fähigkeiten, Erweiterung der Handlungskompetenz und größtmögliche Selbständigkeit im Lebensumfeld. Bei Menschen mit schwersten Behinderungen kann dies - neben der Sicherung der Vitalfunktionen - ihre Mithilfe bei den pflegerischen Maßnahmen bedeuten oder zumindest deren Akzeptanz, bei anderen die eigenverantwortliche und selbstbestimmte Organisation ihres Alltags. Übergeordnete Leitidee der Therapie ist, optimale Bedingungen für die Entfaltung der sensomotorischen Kompetenz der betroffenen Person unter Berücksichtigung der geistigen, sozialen und emotionalen Bereiche zu ermöglichen. So wird versucht, günstige Voraussetzungen für sensomotorisches Lernen herzustellen. Wesentliche Bestandteile dabei sind zentrale Wachheit und Aufmerksamkeit bei den Betroffenen wieder zu aktivieren. Dazu können beispielsweise somatosensorische und vestibuläre Informationen, wie Berühren und Bewegen, aber auch Anregungen imakustischen, optischen, Geruchs- und Geschmacksbereich gezielt ausgesucht und angeboten werden. Allerdings kann nur durch eigenes Ausprobieren und variationsreiches Wiederholen im entsprechend sinnvollen Kontext ein Prozess des handlungsorientierten und funktionellen Lernens entstehen. Daher werden Alltagssituationen gewählt, die zum Experimentieren und Entwickeln eigener Strategien besonders günstig sind. Handlungskompetenz kann sich dann entwickeln, wenn der betroffene Mensch Ziele verfolgen kann, die für ihn selbst bedeutungsvoll sind. Die für das Erreichen des Zieles benötigte Hilfe erhält er durch die Anwendung therapeutischer Techniken. Unter solchen Bedingungen kann optimale Eigenaktivität entstehen, die bei Beachtung biomechanischer Gegebenheiten durch das entsprechende therapeutische Angebot tonusregulierend wirkt. Im Unterschied zu anderen Therapieformen existieren im BobathKonzept keine standardisierten Übungen, sondern im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten. Dies betrifft Bereiche wie Kommunikation, Nahrungsaufnahme, Körperpflege, An- und Auskleiden, Fortbewegung, Spiel und Beschäftigung - beispielsweise zu Hause oder in der Freizeit. Es ist Aufgabe des Therapeuten, die spezifischen Erfordernisse - wenn immer möglich gemeinsam mit dem betroffenen Menschen und den ihn betreuenden Personen - herauszufinden. Daraus resultiert zum einem die Vermittlung spezifischer "Handhabungs-Anleitungen" an die Betreuenden Personen (Familienmitglieder, Begleitpersonen, Pflegepersonal, etc.), zum anderen die Anpassung des Umfeldes (Lagerungs-, Sitz-, Steh- und Fortbewegungshilfen sowie die Adaptierung von Gebrauchgegenständen) an die individuellen Bedürfnisse. Des Weiteren dienen alle diese Maßnahmen dazu, körperliche Sekundärschäden wie Kontrakturen, Luxationen und Deformitäten zu verhindern, aber auch Folgen im emotionalen und sozialen Bereich zu beeinflussen, oder in Grenzen zu halten. Text: Vereinigung der Bobath-Therapeuten Deutschlands e.V (abgeändert)
|